Kunst

Schwellenräume

Zwischen dem, was war, und dem, was wird, liegt ein Raum ohne festen Namen. Meine Arbeit als Künstler, als Architekt für Daten und Systeme und als Lehrender in Zeiten von KI-Wandel bewegt sich in diesem Raum: der Schwelle. Liminalität kommt vom lateinischen limen, Schwelle: ein Zustand ist verlassen, der nächste noch nicht erreicht.

Organische Fläche und geometrische Kontur. Die Schwelle dazwischen verschiebt sich.

Künstlerisch

Die Arbeiten beginnen analog. Ich male und zeichne von Hand. Danach kommen eigene Naturfotografien dazu.

In Schichten, über Farbänderungen und IT-Effekte, synthetisiere ich beides. Dieselben Bilder setze ich auch multimedial ein.

Häufig geht es um Fraktale und um die Verbindung von Analogem und Digitalem, von Technologie und Natur. Gemalte Fläche, Fotografie und digitaler Eingriff liegen als Schichten im selben Bild.

Der Weg führt von der Hand zur Kamera und dann an den Bildschirm. Was bleibt, ist das Dazwischen: Natur und System, Hand und Maschine.

Symbolisch

Das Schlangenhaut-Motiv von Second Skin steht für Häutung. Die alte Haut muss abgestreift werden. Die neue ist noch nicht da.

Philosophisch

Die Computergeisttheorie fragt nach emergentem digitalem Bewusstsein. Auch das ist eine Schwelle: der Punkt, an dem etwas beginnt, mehr zu sein als seine Bestandteile, ohne dass klar ist, wann genau das geschieht.

Strukturell

Wandel in Organisationen erzeugt dieselben Zwischenzustände. Alte Prozesse tragen nicht mehr, neue sind noch nicht etabliert. Menschen in dieser Zone zu begleiten, gehört zur Arbeit als Data & Systems Architect und in der Lehre.

Praxis

An der Schwelle ist man angreifbar.

Schutzmeditation hält draussen, was nicht dazugehört. Resilienzmeditation lässt los, was man noch trägt.

Schutzmeditation

Stehen. Wasser oder Atem reicht als Takt. Augen können offen bleiben. Zwei bis vier Minuten: morgens unter der Dusche, bevor Öffentlichkeit beginnt, oder kurz vor einem Gespräch, das ziehen könnte.

Die Logik geht von aussen nach innen. Zuerst der Raum um dich, dann die Hülle, dann der Körper, zuletzt die Reaktion. Geometrie ist dabei kein Schmuck. Sie hält die Ringe. Aussen darf es unruhig und organisch sein. Nach innen wird die Form einfacher.

Raum

Um den Körper herum eine weite, durchsichtige Kugel. Nicht hart. Eher eine Grenze aus Licht, die den Raum markiert, in dem du jetzt bist. Was draussen lärmt, bleibt draussen.

Hülle

Die Kugel zieht sich näher, etwa eine Armlänge. Hier webst du Geometrie ein: ein feines Gitter, hexagonale Zellen, diagonale Schnitte, wie in den Collagen. Organisch aussen, klar innen. Das Gitter filtert. Es lässt durch, was zu dir gehört, und hält, was nicht zu dir gehört.

Haut

Noch enger, knapp über der Haut. Eine neue Schicht, die sitzt, aber nicht würgt. Keine Panzerung. Eine Schwelle.

Inneres

Vom Brustkorb nach innen, nicht vom Kopf. Eine kleine, ruhige Form in der Mitte: Kugel, Kristall, ein einfacher Körper. Hier endet die Bewegung. Was aussen anklopft, kommt bis zur Hülle oder zur Haut, nicht bis hier.

Wenn eine emotionale Reaktion aufsteigt, Ärger, Scham, der Impuls sofort zu antworten: nicht bekämpfen. Sie trifft zuerst den äusseren Ring. Du atmest einmal, lässt sie an der Geometrie abgleiten, und bleibst im inneren Ring. Schutz heisst hier: Reiz und Reaktion bekommen Abstand.

Resilienzmeditation

Angst ist, was du noch trägst. Ein Satz, ein Blick, eine Befürchtung aus dem Übergang. Sie sitzt schon in dir und geht mit. Diese Meditation baut keine Hülle. Sie lässt die Angst los.

Die Technik

Ohne Papier, mitten im Alltag. Eine Angst, nicht alle.

  1. Benenne sie in einem Satz. «Ich habe Angst, dass …» Konkret, nicht die ganze Biografie.
  2. Merk, wo sie sitzt: Brust, Hals, Bauch. Du musst sie nicht wegdrücken.
  3. Atme aus und lass diese Stelle ein wenig leerer werden. Du hältst die Angst nicht mehr fest.
  4. Sprich, einmal: «Das gehört nicht mehr zu mir. Ich lasse es los.»

Das Ritual

Wenn die Angst zu gross für einen Satz im Kopf ist, kommt sie auf Papier und ins Feuer. Ein kleiner, sicherer Ort. Du bleibst dabei, bis das Feuer aus ist.

  1. Schreib die Ängste auf. Kurz und konkret, ein Satz pro Zeile.
  2. Lies sie einmal laut. Falte den Zettel.
  3. Leg ihn in eine feuerfeste Schale und zünde ihn an. Schau zu, bis das Papier weg ist.
  4. Sprich, einmal: «Das gehört nicht mehr zu mir. Ich lasse es los.»
  5. Hände leer lassen. Kurz spüren. Es ist verbrannt.